Blick von Wendelinkapelle ins Kirchenschiff

Nikolaikirche zu Langhennersdorf

Herzlich willkommen in der St.-Nikolai-Kirche Langhennersdorf! Sie gilt mit der Wendelinkapelle aus dem 14. Jahrhundert sowie mit ihrem kunstvollen Gewölbe und dem massiven Turm als eine der architektonisch bedeutendsten Dorfkirchen im Landkreis. Eine besondere Kostbarkeit ist die Orgel des Gottfried-Silbermann-Schülers Zacharias Hildebrandt.

 

In unserem Kirchspiel sind schon seit weit vor der Reformation die Orte Langhennersdorf, Bräunsdorf, Seifersdorf und Reichenbach miteinander verbunden.

Der Entstehung der Kirche in Langhennersdorf ging die Gründung des Klosters Altzella bei Nossen im Jahr 1162 voraus. Vom Kloster aus wurden die umliegenden Dörfer kirchlich betreut. Leider sind alle schriftlichen Nachrichten darüber bei einem Brand im Jahre 1599 zerstört worden. So kann die Entstehung der einzelnen Bauteile unserer heutigen Kirche nur aus dem Baustil abgeleitet werden.

 

Die ältesten erhaltenen Bauteile der Kirche gehen dabei auf das 14. Jahrhundert zurück. Damals entstand die nach dem Heiligen Wendelin benannte Kapelle, die sich nördlich an das Kirchenschiff anschließt. 1530 ist als Jahr der Vollendung der Kirche, die dem heiligen Nikolaus geweiht wurde, anzunehmen. Diese Jahreszahl findet sich im Gesims der jetzigen Schatzkammer. Die umfangreichsten Veränderungen des Innenraumes fanden 1595 mit dem Einbau zwei umlaufender Emporen und 1721/22 mit dem Bau der Hildebrandt-Orgel und einem neuen Altar statt.

1             Wir betreten die Kirche durch den südlichen Haupteingang. Das massive Portal aus Sandstein im Rundbogenstil stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert. Es wird davon ausgegangen, dass es ursprünglich das alte Portal der Wendelinkapelle war.

2             Das Innere des Kirchenschiffes ist sehr kunstvoll eingewölbt. So bildet das Gewölbe des Chores zwei Sterne mit sechs Rippen, das des Schiffes sechs Kreuze mit je vier Rippen, die hier wie dort gabelförmig nach den Fenstern herab laufen. Unsere Kirche gilt auch deshalb als eine der schönsten Dorfkirchen Sachsens.

 3             Im Chorraum der Kirche sehen wir den Altar von 1721 mit dem Christusbild, eine Kopie des Gemäldes von Carlo Dolci, gemalt 1842 vom Bergmechanikus August Lincke. Aus dem Jahr 1842 ist auch unsere Kanzel. Älter ist der blumenkelchartige Taufstein aus Sandstein mit der Jahreszahl 1560.
Die schönen Fenster mit Christus als Sämann und als Weingärtner wurden bei der Kirchenrenovierung 1910 ebenso wie das Lutherfenster über der Kanzel eingebaut. Ein Bildnis von Pfarrer Christoph Heym aus dem 18. Jahrhundert und zwei Bildnisse sowie ein Epitaph von Pfarrer Johann Lohdius aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert befinden sich in der Kirche. Bemerkenswert ist die Christusfigur mit der Siegesfahne über dem Durchgang zur Wendelinkapelle, die vermutlich spätmittelalterlich ist.

4             Vom Chorraum aus betreten wir die Wendelinkapelle. Die vier Ecksäulen mit Blattkapitellen und die Gewölberippen können ins 14. Jahrhundert datiert werden. Die beiden Bildnisse in dem gotischen Ostfenster zeigen den Heiligen Wendelin und Christus als guten Hirten. Sie stammen von der Kirchenrenovierung im Jahr 1910. Die Wendelinkapelle gliedert sich in Kapelle, Vorraum und Schatzkammer. Die hinter der Eisentür liegende Schatzkammer war wohl ursprünglich in katholischer Zeit eine der vier Sakristeien der Kirche.

5             Gehen wir aus der Kapelle auf die Orgelempore, stehen wir vor einer Zacharias Hildebrandt-Orgel. Der bekannteste Silbermann-Schüler stammte aus Schlesien und vervollkommnete ab 1713 seine Orgelbaukunst bei Gottfried Silbermann in Freiberg. Mit der Langhennersdorfer Orgel, die am 14. Juni 1722 geweiht wurde, schuf er sein Meisterstück.  Die 1910 erfolgten umfangreichen Umbauten wurden bei der Sanierung zu Beginn der 90er Jahre wieder entfernt. Zum Reformationsfest 1996 wurde die Orgel wieder eingeweiht und ist seitdem ein Anziehungspunkt für Orgelbegeisterte aus der ganzen Welt.

6             Von der Orgelempore aus gelangen wir in den Kirchturm. In manchen Beschreibungen wird er als spätromanischer Wehrturm bezeichnet. Er hat sehr mächtige, drei Meter starke Grundmauern, die nach oben schwächer werden. Im Inneren befindet sich ein umfängliches Balkenwerk, das die Schwingungen der Glocken nach unten ableitet. Zuerst gelangen wir zur Uhrenstube. Das jetzige Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1875. Danach kommen wir zum Glockenboden mit drei wertvollen Bronzeglocken. Die älteste und kleinste Glocke, die vermutlich ursprünglich in einem Türmchen über der Kapelle läutete, ist nicht sicher datierbar. Die mittlere Glocke stammt aus dem Jahr 1582, gegossen von Wolff Hilger zu Freiberg. Die große, 30 Zentner schwere Glocke wurde 1777 von August Siegismund Weinhold in Dresden gegossen. Die gesamte Läuteanlage wurde in den Jahren 2006/07 umfangreich restauriert.

Hildebrandt-Orgel Langhennersdorf

7             Vom Kirchturm hat man aus ca. 30 m Höhe einen schönen Blick auf die Kirchschule direkt vor der Kirche und den Pfarrhof. Beide befinden sich im Besitz der Kirchgemeinde und sind im ausgehenden 18. Jahrhundert in ihrer heutigen Gestalt errichtet worden. Der Pfarrhof wurde in den zurückliegenden Jahren mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert. 

Foto: fotoforma