Kirche Kleinschirma
Die ersten Aufzeichnungen über die Kirche Kleinschirma entstammen aus dem Jahr 1549.
Die Kirche ist einschiffig gebaut, mit Holzdecke und Dachreiter. Sie bestand ursprünglich nur aus Chor (15. Jh.) und Schiff (ca. 1560). Die Vorhalle, die Sakristei und die Totenhalle (1900, heute Geräteraum) wurden später angebaut.
Wenn man die Kirche durch den Vorraum betreten hat, befindet man sich im kleinen Kirchenschiff. Zur Linken öffnet sich hinter einem gotischen Triumphbogen der etwas höher gelegene Chorraum, dessen Gestühl noch aus dem 17. Jh. ist. Der Chorraum ist ebenso breit wie das Kirchenschiff und außen mit Strebepfeilern besetzt. Kirchenschiff und Chor haben eine Holzdecke. Die spätgotischen maßwerklosen Chorfenster weisen auf das Ende des 14. Jahrhunderts als Entstehungszeit des Chores. Der Unterbau des Schiffes dürfte in der gleichen Zeit entstanden sein. Der obere Teil des Schiffes wurde, wie die Fensterbildung erweist, im 16. Jahrhundert aufgesetzt. Die Bleiverglasung der drei Chorfenster wurde 2002 angebracht. Die Kirche schmückt eine geschnitzte mit gewundenem Zierwerk versehene Pfeiler- und Unterzugkonstruktion als Stütze der Decke. Gleichen Charakter tragen die Stützen der Emporen, die zu Anfang des 16. Jh. entstanden sind. Diese schmückende Gestaltung von Holzkonstruktionen war im 16. und 17. für Sachsen typisch.
Die besondere Zierde unserer Kirche ist der 4 m hohe Altar. Er wurde 1614 von dem Freiberger Bildhauer Bernhart Diterich gefertigt. Das mehrfarbige Holzschnitzwerk zeigt in der Predella (Untersatz des Altars) die Taufe, darüber innerhalb reich geschmückter Säulen eine Reliefdarstellung des Abendmahles und im Aufsatz die Auferstehung des Herrn. Die Figuren neben dem Abendmahl zeigen Moses (mit den Gesetzestafeln) und Johannes (mit dem Schaf). Vom selben Meister ist auch das Altarwerk in der Jacobikirche zu Freiberg.
Die Kanzel aus Sandstein entstand um 1557 als frühes Werk des Bildhauers Andreas Lorentz (tätig um 1550 bis um 1583). Andreas Lorentz ist Mitbegründer der Freiberger Bildhauerschule und hatte seit 1557 das Amt des Ratssteinmetzen der Stadt Freiberg inne. Den Rumpf zieren durch Hermesfiguren getrennte Reliefdarstellungen der Schöpfung der Erde und des ersten Menschenpaares. Vermutlich stammt die Kanzel aus einer Vorgängerkapelle des Schlosses Freudenstein. Sie wurde durch den Schlossumbau 1566/77 nicht mehr benötigt. Der Kurfürst könnte die Kanzel seinem Kanzler Ulrich Mordeisen überlassen haben, zu dessen umfangreichen Besitzungen auch die Kirche Kleinschirma gehörte. Die Kanzel wird von einer Engelsfigur getragen, die das kursächsische und das königlich-dänische Wappen hält. Grund dafür ist die Verbindung Kursachsens mit dem dänischen Königshaus. Kurfürst August hatte 1548 Prinzessin Anna von Dänemark geheiratet.
Der Taufstein ist in der gleichen Zeit wie die Kanzel entstanden und wird auch Andreas Lorentz zugeschrieben. Ob der 1557 datierte Taufstein ebenfalls aus dem Schloss Freudenstein stammt, muss offenbleiben.
Die Orgel wurde im Jahre 1853 vom Orgelbauer A.W. Erler aus Mulda erbaut. Es ist das erste und vermutlich auch das einzige Werk dieses Orgelbaumeisters.
Ursprünglich hatte die Kirche drei Glocken, die den A-Dur-Dreiklang bildeten. Übrig geblieben ist nach dem 1. und 2. Weltkrieg nur die große Glocke, die in sehr klar und schön geschriebenen Buchstaben die Umschrift „O REX GLORIE VENI CUM PACE AVE MARIA GRACIA P(LENA) ANNO DNI XVC XVIII“ (O König der Ehren, komme mit Frieden. Gegrüsst seist du Maria, voller Gnaden. Im Jahre des Herrn 1518) trägt. Die 460 kg schwere Bronzeglocke wurde 1518 in der Hilligerwerkstatt Freiberg von Martin Hilliger gegossen.